Rückblick auf die 1. Fachtagung: Telematikinfrastruktur für die Pflege

Mit der 1. Fachtagung „Telematikinfrastruktur für die Pflege“ ist uns am 27.08.2025 ein wegweisender Auftakt unserer neuen Veranstaltungsreihe „Pflege im Wandel – Digitalisierung gestalten“ gelungen.

Wir freuen uns sehr, dass Staatssekretär Wolfgang Beck vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt die Veranstaltung mit einem Grußwort eröffnet und die Bedeutung der Digitalisierung in der Pflege unterstrichen hat.

Im Laufe des Vormittags haben wir zahlreiche spannende Impulse erhalten:

  • Prof. Dr. Patrick Jahn, Bernhard Kraft, Susann Zawatzki und Hannah Dinklage eröffneten die Veranstaltung im Namen des Landeskompetenzzentrums Pflege Digital Sachsen-Anhalt.
  • Dr. Anika Heimann-Steinert (gematik) stellte die Entwicklungen und Anwendungsmöglichkeiten der TI-Fachanwendungen (ePA, KIM, TIM) anhand eines anschaulichen Clickdummys (gematik.de/pflege) dar, der eindrucksvoll die Kommunikations- und Informationswege illustrierte.
  • Nele Stock (FinSOZ) zeigte, wie tiefgreifend und umfassend der Veränderungsprozess durch die TI organisiert werden muss und gab wertvolle Tipps für Einrichtungen auf den Weg.
  • Bruno Ristok (C&S Institut, Vorstand C&S AG) brachte Erfahrungen aus dem Modellvorhaben ITiV ein und zeigte konkrete Verbesserungsvorschläge auf, um die TI für die Pflege besser nutzbar zu machen.
  • Florian Großmann (CGI Deutschland B.V. & Co. KG) stellte mit dem TI-Gateway eine Lösung vor, um Pflegeeinrichtungen sicher zu vernetzen.

Ein Höhepunkt war die Podiumsdiskussion „TI in der Pflege – Erfahrungsberichte & Zukunftsperspektiven“.
Hier diskutierten die Vortragenden Dr. Anika Heimann-Steinert, Nele Stock und Bruno Ristok gemeinsam mit Praxisvertreter*innen:

  • Silke Otto, geschäftsführende Gesellschafterin der Seniorenresidenz im Park GmbH
  • Christopher Arnold, Leiter Personal und der IT in der Paul -Riebeck-Stiftung
  • Martin Grünthal, Apotheker u.a. Inhaber der Apotheke am Bauhaus in Dessau

Gemeinsam illustrierten sie anhand ihrer eigenen Erfahrungen, wie der Anbindungsprozess an die TI verläuft, welche Fachanwendungen bereits genutzt werden und wo konkrete Verbesserungen für die Zukunft notwendig sind. Die Diskussion machte deutlich, dass die TI nur dann ihr Potenzial entfaltet, wenn Pflege, IT und Versorgung eng zusammenarbeiten und voneinander lernen.

Besonders wertvoll war der Austausch im Plenum und in der Diskussion, die deutlich machten:

  • Die Akteure der Pflege sind auf dem Weg zur TI-Anbindung – einige bereits erfolgreich, andere noch in Vorbereitung.
  • Die zentralen Fachanwendungen wie ePA, KIM, TIM und eRezept bieten große Chancen für die Pflege.
  • Die Implementierung von TI-Fachanwendungen bringt für Pflegeeinrichtungen noch Herausforderungen mit sich, die aktuell oft mit pragmatischen Zwischenlösungen überbrückt werden – dies zeigt aber auch die große Bereitschaft, sich Schritt für Schritt auf den digitalen Weg einzulassen.
  • Im Anbindungsprozess wird deutlich, dass das Pflegepersonal trotz knapper zeitlicher Ressourcen engagiert an der Umsetzung arbeitet – die Erfahrung verdeutlicht zugleich, wie wertvoll zusätzliche Unterstützung und Entlastung wäre.
  • Digitalisierung in der Pflege ist weniger ein rein technischer Prozess, sondern erfordert vor allem organisatorischen, prozessualen und kulturellen Wandel.

Unsere Take-Home-Message:
Die Pflege darf nicht nur „Anwenderin“ der TI sein, sondern muss aktive Mitgestalterin werden – mit eigener Stimme, Entscheidungsbeteiligung und als anerkannte Gesundheitsprofession. Die Anbindung und Nutzung der TI bedarf einer Organisationsentwicklung, die nur gemeinsam gelingt: wenn alle Akteure – Pflege, IT, Kostenträger, Politik und Versorgungspartner – diesen Prozess kooperativ ausgestalten.

Wir danken allen Referent*innen, Podiumsgästen und Teilnehmenden für diesen inspirierenden Auftakt. Der Weg ist anspruchsvoll – aber nur gemeinsam können wir die digitale Zukunft der Pflege gestalten.