Was ist gute Pflege? Was ist gutes Altern? Normative Vorstellungen in digitalen Pflegetechnologien. Eine Analyse ausgewählter Fallbeispiele
Digitale Pflegetechnologien werden zunehmend als Lösungen für aktuelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel, den demografischen Wandel oder infrastrukturelle Hürden entwickelt und eingesetzt. Häufig stehen dabei ihre technischen Funktionen oder ihr Nutzen im Mittelpunkt. Weniger Beachtung findet jedoch, dass digitale Technologien nicht neutral sind. Bereits in ihrer Entwicklung und öffentlichen Darstellung werden normative Vorstellungen darüber sichtbar, was als „gute Pflege“ oder „gutes Altern“ gilt. Diese normativen Vorstellungen bleiben häufig implizit und werden selten hinterfragt.Ziel dieser Arbeit war es, anhand der drei Fallbeispiele Navel, CARE-Table und SMINT die in ihren öffentlichen Darstellungen vermittelten normativen Vorstellungen zu untersuchen. Dafür wurden Projektwebseiten, Pressemitteilungen und eigene Beobachtungen und Notizen aus der Weiterbildung interpretativ ausgewertet. Die Analyse zeigt, dass die drei Fallbeispiele unterschiedliche normative Vorstellungen vermitteln – etwa von guter Pflege als Beziehung und emotionaler Zuwendung oder von gutem Altern als Aktivität, Teilhabe und Selbstbestimmung. Insgesamt lädt die Arbeit dazu ein, digitale Pflegetechnologien nicht nur nach ihren Funktionen zu beurteilen, sondern auch danach zu fragen, welches Verständnis und welche Bilder von guter Pflege und gutem Altern sie vermitteln und welche Vorstellungen wir mit ihrem Einsatz fördern möchten.
Eva Steinberger
Max Planck Institut für ethnologische Forschung – Halle (Saale)